Noch zu Beginn diesen Jahres hielten es Skeptiker für nahezu unmöglich, dass es den Unternehmen aus dem Rohstoffsektor gelingen werde, bei privaten wie institutionellen Investoren frische Gelder locker zu machen. Zu groß war das Entsetzen angesichts der hohen Kursverluste im Herbst/Winter 2008, zu ausgeprägt die Risikoaversion der Anleger. Doch den Minen gelang es erstaunlich gut, das Unmögliche wahrzumachen und trotz Finanzkrise und neu erwachter Risikoaversion Finanzierungen erfolgreich abzuschließen.
Dem australischen Minensektor gelang es allein in den letzten sechs Monaten erstaunliche 24 Mrd. australische Dollar (AUD) aufzunehmen. Dass die Summe so hoch ausfiel, lag vor allem an Rio Tinto. Der Rohstoff-Gigant, dem sich die hohe Kreditbelastung langsam wie eine Schlinge um den Hals zuzog, emittierte allein für 19 Mrd. Dollar neue Aktien. Die über die Börsen in London und Australien ausgegebenen Aktien dienten allein dem Schuldenabbau.
Rechnet man diesen Riesenbetrag aus den 24,76 Mrd. Dollar, die insgesamt in den Sektor flossen, heraus, bleibt immer noch ein ansehnlicher Betrag von über 5 Mrd. Dollar, der sich auf kleinere und mittlere Gesellschaften verteilt. Abseits von Rio Tintos 19 Mrd. Dollar Deal konnten 57 Platzierungen mit einem Volumen von jeweils 5 Mio. Dollar und mehr realisiert werden. Die Spitzenposition unter diesen größeren Finanzierungen nahm Newcrest Mining ein. Newcrest gelang im Februar die Aufnahme von 750 Mio. Dollar im Rahmen einer Kapitalerhöhung.
Ging der Spitzenplatz hinter Rio Tinto somit an einen heimischen Goldproduzenten, so folgte auf dem dritten Platz bereits ein Basismetallproduzent. Die Aluminiumraffinerie Alumina nahm mit 737 Mio. australische Dollar nur geringfügig weniger Kapital auf. Auch Platz 4 ging mit der Fortescue Metals Group wieder an einen Basismetallproduzenten. 644,8 Mio. Dollar nahm Fortescue Metals ein, indem Aktien an die chinesische Hunan Valin Eisen und Stahl Gruppe verkauft werden konnten.
2,56 Mio. australische Dollar für Goldprojekte
Stellt man die einzelnen Sektoren nebeneinander und klammert den Megadeal von Rio Tinto aus, so hatte in 2009 der Goldsektor eindeutig die Nase vorn. Stolze 2,56 Mrd. Dollar an frischem Kapital konnte der Sektor auf sich vereinigen, wobei 23 Kapitalmaßnahmen auf ein Volumen von über 5 Mio. Dollar kamen. Mit 1,12 Mrd. AUD und damit schon mit deutlichem Abstand zur Goldbranche folgte der Eisenerzsektor, zu dem auch der bereits erwähnte Einstieg der Chinesen bei Fortescue Metals zählt. Nickelminen konnten 182 Mio. AUD an frischem Kapital generieren, reine Kupferprojekte 481,5 Mio. AUD und Uranminen schließlich weitere 119,2 Mio. australische Dollar.
Interessant ist es in diesem Zusammenhang auch einmal einen genaueren Blick auf die chinesischen Investments zu werfen. Mit insgesamt 1,49 Mrd. Dollar bzw. 26% aller in 2009 getätigten Investments stellten die Engagements aus dem Reich der Mitte, zwar einen großen aber immer noch keinen absolut dominanten Faktor dar. Durchschnittlich stiegen die Chinesen mit 135 Mio. Dollar ein, wobei bei 7 von 10 Engagements die Investitionssumme unter 100 Mio. AUD lag. Damit sicherten sie sich Anteile, die selten über 20% der ausstehenden Aktien hinausgingen. Selbst der größte Deal dieses Jahres, der Einstieg der Hunan Valin Eisen und Stahl Gruppe bei Fortescue Metals sicherte den Chinesen lediglich 17,3% an Fortescue.
Auch wenn die Zahlen auf den ersten Blick nicht allzu besorgniserregend erscheinen ändert das natürlich nichts an der Tatsache, dass die Chinesen strategisch handeln und sich langfristig an zentralen Stellen positionieren.
Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Börsentag und grüße Sie herzlich
Ihr
Dr. Bernd Heim


