Unweit der Brücke entstehen auf dem nördlichen Ufer viele neue Wohnblocks. Sie scheinen inzwischen bis zur endgültigen Höhe herangewachsen zu sein. Die Geschosse selbst sind aber noch vollständig hinter den grünen Baunetzen verborgen. Wer hier einziehen wird, der hat es für chinesische Verhältnisse geschafft. Ich erinnere mich an die Bauwand mit der Fotomontage aus dem letzten Jahr. Für das Computerbild der Anlage hatte man eine sehr starke Aufsicht gewählt. Dadurch wirkten die Häuser erheblich kleiner und zierlicher als es jetzt die realen Gebäude tun.
Einen Moment lang frage ich mich, ob ich selbst hier einziehen möchte? Nun, wer eine Wohnung mit Blick auf den Fluss und den Fernsehturm am südlichen Ufer ergattert hat, der hat zumindest eine Wohnung oder einzelne Zimmer mit phantastischer Aussicht. Das will angesichts der Enge dieser Stadt einiges heißen. Doch die nächste U-Bahnstation ist weit, zu weit für chinesische Verhältnisse, denn lange Fußwege mag hier keiner gerne zurücklegen.
Beim Fernsehturm auf dem anderen Ufer bin ich mir nicht sicher, ob er schon fertiggestellt ist. Die Eröffnung ist für 2010 vorgesehen, nur wann? Vielleicht gibt es ein Schild am Eingang. Ich versuche deshalb an den Eingang heranzukommen. Doch so recht will mir das nicht gelingen. Bauzäune und neue Baugruben aus denen auch am späten Samstagnachmittag ein Höllenlärm dringt, versperren mir den Weg.
Am Ende begnüge ich mich damit, mich an der geschwungenen Netzstruktur des Turms zu erfreuen und mir meine Gedanken über die unmittelbare Umgebung zu machen. Ich treffe auf unbewohnte Ruinen, bei denen ich mir sicher bin, dass ich sie bei meinem nächsten Besuch nicht mehr sehen werde und neue aus der Ferne elegant und modern wirkende Wohnhochhäuser.
Zwischen dem ganzen die alte Chigang Pagode, die der nahegelegenen Metrostation ihren Namen gegeben hat. Einst dürfte sie hier das mit Abstand höchste Gebäude gewesen sein. Jetzt wirkt sie umgeben von all den Hochhäusern eher klein und zierlich.

