Besonders heiß innerhalb des Rohstoffsektors sind derzeit die Seltenen Erden.
Viele Rohstoffe sind heiß in diesen Tagen.
Die Wirtschaft kommt langsam wieder in Fahrt und der US Dollar schwächelt. Dieser Mix aus wirtschaftlichen und psychologischen Gründen lässt die Preise der meisten Rohstoffe stark steigen.
Besonders heiß innerhalb des Rohstoffsektors sind derzeit die Seltenen Erden. China ist der Hauptexporteur. Ein großer Teil der weltweit benötigten Seltenen Erden werden im Reich der Mitte gefördert.
Seit China angekündigt hat seine Seltenen Erden Exporte einschränken zu wollen, erlebt die Welt eine Situation, die ein wenig an die frühen 70er Jahre erinnert als die OPEC als Reaktion auf die Unterstützung Israels durch den Westen diesem den Ölhahn zudrehte.
Was die Situation so gut vergleichbar macht ist die Tatsache, dass sich das Monopol bei der Lieferung eines zentralen Rohstoffs mit politischen Motiven verbindet.
Wer die jüngere japanisch-chinesische Geschichte kennt und wer weiß, dass es Japan bis heute nicht für nötig gehalten hat sich für die während des 2. Weltkriegs in China verübten Kriegsverbrechen etwa das Massaker in Nanking 1937 zu entschuldigen, der wundert sich nicht, dass die Exporte nach Japan gleich als erste unterbrochen wurden.
Es ist nicht neu, dass Beijings Wirtschafts- und Außenpolitik pädagogische Elemente enthält.
Umweltschutz als Waffe
Offiziell wird der Rückgang der Exporte damit begründet, dass die Produktion der Seltenen Erden mit einer hohen Umweltbelastung einhergehe. Außerdem sei die Fördertechnologie primitiv und nicht in der Lage den höheren Bedarf zu decken.
Es mag auf den ersten Blick ironisch klingen, doch es ist besonders die Grüne Technologie, die unter Chinas neuen Umweltbewusstsein bei der Produktion der Seltenen Erden besonders zu leiden hat.
Seltene Erden sind für unsere moderne Hightech-Welt das, was das Öl für die Welt der Moderne ist: jener Treib- und Schmierstoff ohne den über kurz oder lang nichts mehr geht.
Egal ob es um den Computerbildschirm geht, an dem Sie diesen Bericht gerade lesen, um moderne Windräder oder den elektrischen Fensterheber Ihres Autos: Ohne Seltene Erden geht es nicht mehr. Allein die Batterien moderner Hybridfahrzeuge benötigen 10 bis 15 Kg an Lanthanium.
Baotou: Das Herz der Seltenen Erden
Wenn über China berichtet wird, dann stehen zumeist die Hauptstadt Beijing oder die modernen Industrieregionen um Shanghai und in der Guangdongprovinz mit dem Zentrum Guangzhou im Mittelpunkt.
Über die Innere Mongolei hingegen wird eher selten berichtet. Doch wenn es um die Produktion der Seltenen Erden geht, insbesondere um die leichten, dann führt an Baotou kein Weg vorbei.
Rund 1,8 Mio. Menschen leben hier und für viele sind die Seltenen Erden so etwas wie eine wirtschaftliche Überlebensversicherung. Jobs in der Industrie sind rar und wer nicht in die wirtschaftlichen Boomregionen an der Ostküste ziehen will, der muss mit den Seltenen Erden leben.
Niedrige Sicherheitsstandards, streng riechende Rauchschwaden, ein Fenster und zwei Löcher im Dach als einzige Ventilation: Wer schon einmal selbst in China war und sich nicht nur von den glitzernden Fassaden hat blenden lassen, sondern auch einmal einen Blick in die weniger entwickelten Stadt- und Landesteile geworfen hat, der weiß, dass gerade viele einfache Chinesen keine echte Wahlmöglichkeit haben.
So ertragen die Arbeiter im 640 Kilometer westlich von Beijing gelegenen Baotou Rauch und Hitze, und schuften ohne Masken und jeden adäquaten Schutz zwölf Stunden am Tag.
Einige freie Tage pro Jahr gibt es auch und pro Tonne werden lausige 1.100 Yuan (nicht einmal 150 Euro) eingenommen.
Die Arbeiter wissen nicht wer ihre Produkte kauft, und wofür sie verwendet werden. Solchen Fragen nachzugehen, das ist für viele Chinesen noch immer ein Luxus, den man sich im täglichen Überlebenskampf nicht leisten kann.
Gefördert werden die Seltenen Erden in den Minen rund um Baotou, das für sich in Anspruch nehmen kann zumindest für die Seltenen Erden so etwas wie der Mittelpunkt der Welt zu sein. Gefördert werden hier vor allem die leichteren Seltenen Erden, etwa in der Bayan Obo Mine.
Die Innere Mongolei steht für gut die Hälfte der weltweiten Seltenen Erden Produktion. Konzerne wie die Baotou Steel Rare-Earth Group produzieren in der Provinz die Seltenen Erden und scheffeln hohe Gewinne, während die Bewohner darüber klagen, dass die bei der Produktion entstehenden Abgase sie und ihre Kinder vergiften.
Chinas Menschen und Umwelt zahlen einen hohen Preis
Ähnlich wie beim Kohlenbergbau sind vor allem die kleineren Minen das Problem. Extrem niedrige Sicherheits- und Umweltstandards veranlassten die Regierung bereits dazu viele Minen und Schmelzen zu schließen.
Doch noch immer liegt die Umweltbelastung durch die bestehenden Produktionsstätten weit über den in anderen Ländern üblichen Grenzwerten.
Die Verantwortlichen in Baotou sind sich des Problems durchaus bewusst.
Su Wenging, erklärte beispielsweise bereits im vergangenen Jahr, dass es angesichts des hohen Preises, den Chinas Menschen und Umwelt für die Produktion der Seltenen Erden bezahle, berechtigt sei zu fragen, ob sich die Produktion der Seltenen Erden unter dem Strich für China überhaupt noch lohne.
Solche Zweifel, obwohl in China durchaus vorhanden, sind aber noch lange kein Allgemeingut. In der Stadtverwaltung verfolgt man eher andere Ziele. Baotou will zu einem Zentrum der Seltenen Erden und der mit ihnen eng zusammenhängenden Grünen Technologie werden.
Es gibt bereits eine Hightech Zone, ein Seltene Erden Hochhaus für Investoren und offizielle Vertreter der Industrie und auch eine Straße wurde nach den Seltenen Erden benannt.
„Der Mittlere Osten hat Öl, China hat die Seltenen Erden!“ Mit diesem Satz hat Chinas großer Modernisator Deng Xiaoping, die beherrschende Stellung des Reichs der Mitte bei den Seltenen Erden einst auf den Punkt gebracht.
Gefallen ist der Satz bereits 1992, also schon zu einer Zeit da im Westen nur die wenigsten China im Allgemeinen und die Seltenen Erden im Besonderen auf ihren Radarschirmen hatten. 1992 stand China gerade erst am Beginn jener wirtschaftlichen Entwicklung auf die die Welt heute mit Bewunderung und auch etwas Furcht blickt.
Jetzt stehen wir möglicherweise erst am Anfang jenes Prozesses in dem die Welt die bittere Wahrheit dieser prophetischen Worte schmerzhaft erfahren wird.