In Indien wird in den ländlichen Regionen mit Hilfe des World Gold Councils (WGC) derzeit ein neues Modell für den Goldkauf etabliert. Dieses Modell möchte ich Ihnen heute vorstellen.
Neues Goldkaufmodell für indische Farmer
Gold hat in Indien traditionell einen besonders hohen Stellenwert. Das gilt ganz besonders für die ländliche Bevölkerung. Ersparnisse werden nicht den Banken anvertraut, sondern in Gold getauscht und für die Zukunft vorgehalten. Für Indiens Landbevölkerung ist Gold damit kein Anlage- oder gar Spekulationsobjekt, sondern primär ein klassischer Wertspeicher. Ob viel oder wenig Gold gekauft wurde, hing in der Vergangenheit vor allem vom Ernteerfolg ab.
Während in den vergangenen Jahren schwächere Ernteerträge immer wieder die Nachfrage nach Gold drückten, sind die Einnahmen der Farmer in diesem Jahr hoch. Das spüren beispielsweise die Goldhändler in den Distrikten Jalgaon und Dhule. Sie liegen Norden Indiens im bewässerten Maharashtra Baumwollgürtel.
Täglich treffen hier die Farmer ein und dank der guten Ernte sind ihre Taschen reichlich gefüllt mit Geld. Dieses wird jedoch, wie die Händler aktuell berichten, lieber für den Kauf von Gold und Silber als für den Erwerb von landwirtschaftlichen Maschinen und Ausrüstungsgütern ausgegeben.
Gekauft wird das Gold vor allem in kleineren Mengen und Stückelungen. An dieser Stelle setzt ein neues Modell ein, das auf Initiative des World Gold Councils (WGC) den Goldabsatz in Indiens ländlichen Regionen stimulieren soll. Das Modell ist angelehnt an einen Sparplan, basiert aber nicht auf dem Kauf von Aktien oder Fondsanteilen, sondern Gold.
Ein Investmentsparplan auf Goldbasis
Der Farmer selbst bestimmt welchen Betrag er regelmäßig in Gold anlegen möchte. Durch die Einführung dieses systematischen, regelmäßigen Kaufs werden zwei Ziele angestrebt.
Auf der Ebene des individuellen Sparers ergibt sich durch die Verpflichtung zur Kontinuität beim Goldkauf die Möglichkeit über die Zeit größere Ersparnisse bzw. kleine Vermögen aufzubauen. Der Goldhandel profitiert, weil das Modell die Schwankungen beim Goldverkauf zwar nicht eliminieren, wohl aber reduzieren kann.
Neu ist auch die Art und Weise in der das Gold gekauft werden soll. Bislang ist es in Indien üblich Gold und Silber in Form von Schmuck zu kaufen. Der Sparplan sieht jedoch den Erwerb von Barren und Münzen vor. Mit diesem Schritt nähert sich der Edelmetallhandel in Indien den internationalen Standards weiter an und gleichzeitig erwirbt der einzelne Farmer sein Gold und Silber in einer Form, die beim Wiederverkauf viel leichter einzuwerten ist als Schmuck.
Der Schlüssel zum Erfolg des Modells ist jedoch die regelmäßige Form des Sparens. Wer immer wieder kontinuierlich Geld auf die Seite legt, häuft über die Zeit hinweg einen größeren Betrag an als jener, der nur sporadisch und in unregelmäßigen Abständen spart.
Diese Beobachtung gilt besonders für Familien mit geringeren und mittleren Einkommen und sie ist keineswegs auf Indien beschränkt. Nicht ohne Grund sind auch in Deutschland die Modelle zur privaten Vorsorge im Alter als regelmäßige Sparpläne konzipiert.
Individueller Sparplan mit vielen Freiheiten
Welchen Betrag der Farmer jeden Monat in Gold anlegen will und zu welchem Zeitpunkt er das Edelmetall kauft, bestimmt er selbst. In diesem Punkt sind die neuen indischen Goldsparpläne somit flexibler als die Sparpläne wie wir sie aus Europa kennen.
Die Initiatoren des Plans hoffen, dass er durch die weite Verbreitung von Gold als Anlagegut in den ländlichen Regionen Indiens leichter angenommen wird als beispielsweise ein Investmentsparplan, der auf Aktien oder anderen Kapitalanlagen basiert.
Das World Gold Council unterstützt die Aktion, weil es als Lobbyverband der Minenindustrie den Absatz von Gold als Anlagegut weiter steigern möchte. Entscheidend für den Erfolg der Aktion ist auch das Vertriebsnetz, denn damit die indischen Farmer den Gedanken des Sparplans auch in großer Zahl aufgreifen, muss es für sie einfach sein ihre regelmäßigen Einzahlungen vorzunehmen.
Im Vorfeld hat das World Gold Council deshalb ein Vertriebsnetz aufgebaut, das sich aus rund 600 Postämtern und kleineren Finanzinstituten zusammensetzt. Das Modell macht in Indien bereits Schule, denn mehrere Wertpapierhandelshäuser in Mumbai diskutieren derzeit mit Investmentfonds, Postämtern und Mikro-Finanzinstituten ähnliche Regelungen wie sie für den Gold Kauf vom WGC vereinbart wurden.
Gelingt es dem World Gold Council das neue Sparplanmodell dauerhaft zu etablieren, sollte dies den Goldabsatz in den ländlichen Regionen Indiens stabilisieren und auf längere Sicht durch die regelmäßigen Sparraten sogar verstärken. Damit würde die indische Goldnachfrage in Zukunft einen neuen Schub bekommen und auch etwas weniger stark vom Wetter und den Erträgen der Farmer abhängen.










